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05.07.2023
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«Bäume ernähren uns mit ihren Früchten und Wurzeln, Blättern und Blüten. Ohne Bäume hätten wir keine Werkzeuge, keine Häuser, Autos, Bücher, Computer – und kein Feuer. Bäume beschützen uns vor den Unwägbarkeiten der Natur, vor Kälte und Hitze. Ohne Bäume wären wir nichts – wir brauchen sie wie die Luft zum Atmen.» Andreas Hase
Äpfel, Birnen und Kirschen, Walnüsse und Esskastanien: Bäume liefern uns seit Jahrtausenden wertvolle Nahrungsmittel. Und je nach Baumart sind auch Blüten, Blätter, Pflanzensäfte oder andere Bestandteile essbar.
Heute kaufen wir die meisten dieser Lebensmittel im Supermarkt. Früher war die unmittelbare Nutzung von Bäumen für die Ernährung vieler Menschen wesentlich wichtiger. Früchte wurden frisch gegessen, eingelagert, getrocknet oder anderweitig haltbar gemacht.
Welche Bedeutung hatten Bäume früher für unsere Ernährung? Was können wir überhaupt von Bäumen essen? Und welche Rolle könnten Bäume als Nahrungsquelle heute wieder spielen?
Inhaltsverzeichnis
- Was können wir von Bäumen essen?
- Bäume als Nahrungsquelle früher
- Esskastanien: das „Brot der Armen“
- Walnüsse als lagerfähige Nahrungsquelle
- Eichelmast: Wie Bäume auch Nutztiere ernährten
- Warum verloren Bäume als Nahrungsquelle an Bedeutung?
- Bäume als Nahrungsquelle heute
- Bäume als Nahrungsquelle wiederentdecken
- Essbare Bäume im eigenen Garten
- Essbare Bäume in unseren Städten
- Die Essbare Stadt Andernach
Was können wir von Bäumen essen?
Wenn wir an essbare Bäume denken, kommen uns wahrscheinlich zuerst Äpfel, Birnen, Kirschen oder Nüsse in den Sinn. Tatsächlich können Menschen je nach Baumart ganz unterschiedliche Teile eines Baumes nutzen.
Am bekanntesten sind die Früchte. Dazu gehören neben Äpfeln, Birnen, Kirschen und Pflaumen beispielsweise Feigen und Maulbeeren.
Auch Nüsse und Samen sind wichtige Nahrungsmittel: Walnüsse, Haselnüsse und Esskastanien liefern viel Energie und haben gegenüber vielen Früchten den Vorteil, dass sie getrocknet und über längere Zeit gelagert werden. Bei einigen Bäumen lassen sich außerdem Blüten und Blätter nutzen. Lindenblüten werden beispielsweise traditionell für Tee gesammelt. Auch junge Lindenblätter sind essbar.
Andere Bäume liefern uns ihren Pflanzensaft: Das bekannteste Beispiel ist der Zuckerahorn, aus dessen Saft Ahornsirup hergestellt wird. Aber auch der Saft von Birken wird traditionell genutzt.
Sogar Knospen, junge Triebe oder entsprechend verarbeitete Samen und Früchte bestimmter Baumarten wurden und werden als Lebensmittel verwendet.
Wichtig ist dabei: Nicht alles, was an einem Baum wächst, ist essbar. Einige Früchte, Samen, Blätter oder andere Pflanzenteile enthalten unverträgliche oder giftige Stoffe. Wild gesammelte Pflanzenteile sollten deshalb nur verwendet werden, wenn Baumart und essbarer Pflanzenteil sicher bestimmt sind.
Bäume als Nahrungsquelle früher
Bevor Lebensmittel ganzjährig verfügbar waren und über große Entfernungen transportiert werden konnten, waren Menschen stärker darauf angewiesen, was in ihrer unmittelbaren Umgebung wuchs.
Besonders auf dem Land waren Bäume ein wichtiger Bestandteil der Ernährung: Äpfel, Birnen, Kirschen und Pflaumen wurden frisch gegessen, im Keller gelagert, getrocknet, eingekocht oder anderweitig haltbar gemacht.
Viele dieser Methoden kennen wir bis heute. Marmelade, Dörrobst, Kompott oder Saft erinnern an eine Zeit, in der die Ernte eines Baumes nicht nur während weniger Wochen im Jahr genutzt werden sollte.
Ein großer Vorteil von Bäumen war dabei ihre Langlebigkeit. Ein einmal etablierter Obst- oder Nussbaum konnte über viele Jahre hinweg Nahrung liefern.
Esskastanien: das „Brot der Armen“
Eine besondere Bedeutung hatte in Teilen Europas die Edelkastanie. Ihre Früchte enthalten viele Kohlenhydrate und lassen sich auf unterschiedliche Weise verarbeiten.
Esskastanien konnten frisch gegessen, gekocht oder geröstet werden. Getrocknet ließen sie sich lagern und zu Mehl verarbeiten. In Regionen, in denen Getreideanbau schwierig war, konnten Kastanien deshalb einen wichtigen Beitrag zur Ernährung leisten. Dabei wurde die Esskastanie teilweise sogar als „Brot der Armen“ bezeichnet.
Mit Veränderungen in der Landwirtschaft und Ernährung verlor sie vielerorts ihre frühere Bedeutung als Grundnahrungsmittel. Ganz verschwunden ist sie aus unserer Küche jedoch nicht. Geröstete Maronen gehören bis heute zum Winter und in der Schweiz werden Esskastanien beispielsweise zu Vermicelles verarbeitet.
Walnüsse als lagerfähige Nahrungsquelle
Auch Walnüsse waren ein wertvolles Lebensmittel. Sie sind energiereich und können nach der Ernte getrocknet und über längere Zeit aufbewahrt werden. Besonders in Zeiten, in denen Lebensmittel nicht jederzeit verfügbar waren, war diese Lagerfähigkeit wichtig. Ein ausgewachsener Walnussbaum konnte zudem über viele Jahre hinweg große Mengen Nüsse hervorbringen.
Doch der Walnussbaum wurde nicht nur wegen seiner Nüsse geschätzt. Auch sein Holz ist wertvoll und wurde unter anderem für Möbel und andere hochwertige Holzprodukte verwendet.
Bis heute gehört die Walnuss zu den bekanntesten Nüssen in Mitteleuropa, auch wenn die meisten von uns sie mittlerweile nicht mehr unter einem eigenen Baum aufsammeln, sondern im Supermarkt kaufen. Auch dazu haben wir ein Rezept: Die Bündner Nusstorte.
Eichelmast: Wie Bäume auch Nutztiere ernährten
Bäume ernährten Menschen nicht nur direkt, auch für die Haltung von Nutztieren waren Bäume von großer Bedeutung. Ein alter Spruch bringt diese Verbindung auf den Punkt: „Auf den Eichen wachsen die besten Schinken.“ Über Jahrhunderte wurden Schweine in Wälder getrieben, wo sie sich unter anderem von Eicheln und Bucheckern ernährten. Diese Form der Waldweide wird als Hutung bezeichnet. Besonders wertvoll waren Jahre, in denen Eichen und Buchen viele Früchte trugen.
Solche Nutzungsformen prägten teilweise ganze Landschaften: In sogenannten Hutewäldern standen die Bäume häufig weiter auseinander, sodass sich große Kronen entwickeln konnten und gleichzeitig genügend Raum für Weidetiere vorhanden war.
Ein eindrucksvolles Beispiel sind die alten Eichen von Ivenack in Mecklenburg-Vorpommern. Sie erinnern noch heute an eine Zeit, in der Wald, Landwirtschaft und Ernährung viel enger miteinander verbunden waren.
Auch Menschen nutzten Eicheln als Nahrungsmittel. In verschiedenen indigenen Kulturen Nordamerikas wurden Eicheln beispielsweise gesammelt, verarbeitet und gewässert, um einen Teil der enthaltenen Gerbstoffe auszuwaschen. Anschließend konnten sie unter anderem zu Mehl oder Brei verarbeitet werden. In Europa wurden Eicheln in Notzeiten ebenfalls als Nahrungsmittel genutzt. Auch Eichelkaffee ist bekannt.
Warum verloren Bäume als Nahrungsquelle an Bedeutung?
Mit der Entwicklung der industriellen Landwirtschaft, neuen Möglichkeiten der Konservierung und Lagerung sowie einem immer stärker vernetzten Lebensmittelhandel wurden Menschen zunehmend unabhängiger von den Bäumen und Pflanzen ihrer unmittelbaren Umgebung.
So können wir heute beispielsweise das ganze Jahr Äpfel kaufen. Und Nüsse kommen bereits geschält in einer Verpackung und exotische Früchte legen teilweise Tausende Kilometer zurück, bevor sie in unserem Einkaufskorb landen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Bäume für unsere Ernährung keine Rolle mehr spielen.
Im Gegenteil: Viele Lebensmittel, die für uns heute selbstverständlich sind, wachsen an Bäumen oder anderen mehrjährigen Gehölzen.
Nur die unmittelbare Beziehung zwischen Baum, Ernte und Lebensmittel ist für viele Menschen weniger sichtbar geworden.
Bäume als Nahrungsquelle heute
Unser Speiseplan enthält heute Baumfrüchte aus unterschiedlichsten Teilen der Welt. Zu Äpfeln, Birnen, Kirschen und Walnüssen kommen beispielsweise Mangos, Avocados, Mandeln, Pistazien, Cashewkerne oder Zitrusfrüchte. Auch traditionelle Produkte aus Bäumen sind weiterhin bekannt: Ahornsirup, Lindenblütentee oder Lebensmittel aus Esskastanien und Walnüssen gehören nach wie vor zu unserer Ernährung.
Wir essen also gar nicht unbedingt weniger Lebensmittel von Bäumen als früher. Wir beziehen sie nur aus einem wesentlich größeren geografischen Raum. Gleichzeitig wächst wieder das Interesse daran, Lebensmittel selbst anzubauen, in der eigenen Umgebung zu sammeln und saisonal zu verarbeiten.
Damit können auch die Bäume vor unserer eigenen Haustür wieder stärker als Nahrungsquelle wahrgenommen werden.
Bäume als Nahrungsquelle wiederentdecken
Auch in meiner Familie spielen Lebensmittel von Bäumen noch eine Rolle: Äpfel und Birnen können beispielsweise gedörrt werden und sind dadurch lange haltbar. Aus Pflaumen machen wir Pflaumen-Chutney, aus Esskastanien Vermicelles und aus Walnüssen eine Bündner Nusstorte.
Auch Blüten und andere Pflanzenteile lassen sich nutzen. Ein Klassiker ist beispielsweise selbst gemachter Holunderblütensirup. Solche Rezepte knüpfen an eine lange Tradition an: das zu nutzen, was gerade wächst, und einen Teil der Ernte für später haltbar zu machen.
Essbare Bäume im eigenen Garten
Besonders unmittelbar lässt sich diese Beziehung erleben, wenn im eigenen Garten Obst- oder Nussbäume wachsen. Ein einmal gepflanzter Baum kann über Jahrzehnte hinweg Nahrung liefern. Je nach Standort kommen klassische Obstbäume wie Apfel, Birne, Kirsche oder Pflaume ebenso infrage wie Quitte, Maulbeere, Feige, Walnuss oder Edelkastanie.
Dabei spielen Standort, Platzangebot, Wasserversorgung und Sortenwahl eine wichtige Rolle. Bei einigen Obstbäumen muss außerdem berücksichtigt werden, ob eine weitere Sorte zur Bestäubung benötigt wird.
Welche Arten infrage kommen und worauf du bei Auswahl und Pflege achten solltest, erfährst du ausführlich in unserem Artikel Die besten essbaren Bäume für den Garten: Obst, Nüsse & mehr aus eigener Ernte.
Essbare Bäume in unseren Städten
Viele Menschen besitzen keinen eigenen Garten. Gleichzeitig wachsen in unseren Städten unzählige Bäume.
Warum also nicht an geeigneten Orten auch Bäume pflanzen, deren Früchte und Nüsse von Menschen genutzt werden können?
Parks, Gemeinschaftsgärten, Schulhöfe oder größere Grünflächen können dafür interessante Orte sein. Essbare Bäume können dort nicht nur Nahrung liefern, sondern Menschen auch zeigen, wo unsere Lebensmittel herkommen.
Allerdings eignet sich nicht jeder Obst- oder Nussbaum für jeden Standort. Fallobst, Pflege, Wasserversorgung, Verkehrssicherheit und der verfügbare Wurzelraum müssen insbesondere im öffentlichen Raum berücksichtigt werden.
Welche Möglichkeiten und Herausforderungen es dabei gibt, zeigen wir in unserem Artikel Essbare Bäume in der Stadt: Wie sie unsere urbanen Räume bereichern.
Die Essbare Stadt Andernach
Ein bekanntes Beispiel für die Verbindung von öffentlichem Grün und Lebensmitteln ist die Stadt Andernach in Rheinland-Pfalz. Unter dem Motto „Pflücken erlaubt“ werden dort öffentliche Grünflächen unter anderem mit Gemüse, Kräutern, Obst und anderen essbaren Pflanzen gestaltet. Menschen dürfen einen Teil der dort wachsenden Lebensmittel selbst ernten.
Dadurch wird Stadtgrün nicht nur betrachtet, sondern auch genutzt und erlebt.
Mehr über das Konzept und seine Entstehung erfährst du in unserem Artikel über die Essbare Stadt Andernach.
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Michael K.